achtsam leben:

integrale Achtsamkeitspraxis

Achtsamkeit und Spiritualität

Definition von Spiritualität

Auf dem Hintergrund des Wissens darum, dass es keine allgemein gültige Definition der Begriffe „Religiosität“ und „Spiritualität“ gibt, soll diese in Anlehnung an Zwingmann (2005) trotzdem versucht werden.

Religiosität wird als die Übernahme von Glaubensüberzeugungen sowie die Teilnahme an Aktivitäten und Ritualen einer organisierten Religionsgemeinschaft mit einem spezifischen Normen und Traditionssystem angesehen.

Demgegenüber gilt Spiritualität als subjektiv erlebter Sinnhorizont, der sowohl innerhalb als auch außerhalb traditioneller Religiosität verortet sein kann und damit allen – nicht nur religiösen – Menschen zu Eigen ist.“

In Anlehnung an Ken Wilber und seine „Integrale Spiritualität“ (2007) können vier Bedeutungen des Wortes „spirituell“ unterschieden werden:

1. Spirituell können bestimmte religiöse, meditative Erfahrungen bzw. so genannte Gipfelerfahrungen genannt werden, also Erfahrungen bestimmter „Zustände“. Diese werden je nach kulturellem Hintergrund und Entwicklungsstand des Menschen sehr unterschiedlich beschrieben und gedeutet z.B. mit Begriffen wie „wach; klar, frei, leer, weit; offen, durchlässig; zentriert, in Ruhe, in Frieden; glücklich; mitfühlend; in Liebe; heil; in Wesensfühlung, am Seinsgrund“.

2. Als spirituell kann eine spezifische Entwicklungslinie bezeichnet werden, die der „spirituellen Intelligenz“. James Fowler beschreibt 7 Stufen des Glaubens: 0.) präverbal prädifferenziert, 1.) projektiv-magisch, 2.) mythisch-wörtlich, 3.) konventionell, 4.) individuell reflexiv, 5.) verbunden und 6.) postkonventionelles Gemeinwohl.

3. Als spirituell können die höheren und höchsten Stufen bzw. Ebenen aller beliebigen Entwicklungslinien benannt werden – von kognitiven über emotionale „Intelligenzen“ bis hin zu Bedürfnis- und Werthierarchien. Auf diesem Hintergrund ist zum Beispiel das Wort „transpersonal“ zu verstehen.

4. Mit spirituell kann auch eine bestimmte Haltung gemeint werden, die sich in etwas wie Liebe, Mitgefühl und Weisheit ausdrückt. Büssing (2006) fand darüber hinaus Beschreibungen wie Gottvertrauen, Geborgenheit; Erkenntnis, Einsicht; Tranzendenz-Überzeugung; Großzügigkeit, Toleranz; bewusster Umgang mit anderen, sich selbst und der Umwelt; Ehrfurcht und Dankbarkeit; Gleichmut.

 

Wie sind nun die Querverbindungen zwischen Spiritualität und einer Achtsamkeitspraxis zu verstehen?

Zu 1.) Spiritualität als Zustand: Regelmäßige Achtsamkeitspraxis dient der Schulung bestimmter „Geistes-Zustände“, die in diese Definition fallen. Disidentifikation und die Frage „Wer bin ich?“ bzw. „Wer beobachtet?“ führt in Bereiche des so genannten „Zeugen-Bewusstsein“, zum „reinen Gewahrsein“ und in Non-Duale Bereiche.

Zu 2.) Spiritualität als spezifische Entwicklungslinie: Achtsamkeit im Rahmen einer Integralen Lebenspraxis (ILP) unter Einbeziehung des kognitiven Moduls, von Schattenarbeit und von Arbeit mit den drei Körpern kann die Entwicklung auch auf dieser Linie fördern.

Zu 3.) Spiritualität als höhere Stufen der verschiedenen Entwicklungslinien: Die Schulung und Übung von meditativen Zuständen führt zu einem beschleunigten Durchlaufen der Entwicklungsstufen auf den verschiedenen Entwicklungslinien.

Zu 4.) Spiritualität als Haltung: Die Verinnerlichung einer Haltung der Achtsamkeit fällt durchaus in diese Definition. Achtsamkeitspraxis im Rahmen einer Integralen Lebenspraxis (ILP) führt in diese Richtung.

 

Literatur

  • Wilber, Ken (2007): Integrale Spiritualität. Spirituelle Intelligenz rettet die Welt. München: Kösel.
  • Zwingmann, Christian (2005): Erfassung von Spiritualität/Religiosität im Kontext der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Psychotherapie, Psychosomatik, medizinische Psychologie 55 (5): 241–246. DOI: 10.1055/s-2004-828503

 

 

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