achtsam leben:

integrale Achtsamkeitspraxis

Forschung

Artikel zu den verschiedenen Themen (in der Reihenfolge ihres Erscheinens)

Übersicht

Achtsamkeit bei verschiedenen Ziel- und Problemgruppen

  • Metaanalysen
    • Eine Metaanalyse von 23 Reviews zu MBSR und MBCT (115 Studien mit insgesamt 8683 Personen) kommt zum Schluss, dass deren Wirksamkeit zur Verbesserung körperlicher und psychischer Symptome nachgewiesen sei und zwar als Ergänzung bei der Behandlung von Krebs, kardiovaskulären Erkrankungen, chronischen Schmerzen, Depression, Angsterkrankungen und auch in der Prävention bei gesunden Erwachsenen und bei Kindern (Gotink et al 2015) [CrossRef]
    • Ein Review über 209 Studien mit über 12000 Patienten zeigte moderate Effektstärken im Prä-Post-Vergleich und im Vergleich mit Wartelisten-Kontrollgruppen. Im Vergleich mit anderen aktiven Therapieverfahren zeigte sich allerdings keine Überlegenheit der achtsamkeitsbasierten Verfahren (Khoury et al 2013) [CrossRef] [download]
    • The psychological effects of Meditation: A meta-analysis (Sedlmeier, Eberth, Schwartz et al 2012) [CrossRef]
  • Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Defizit-Syndrom (ADHS)
    • Ein Review über 10 Studien zur Wirkung achtsamkeitsbasierter Verfahren bei ADHS berichtet über eine mittlere Effektstärke sowohl für die Aufmerksamkeitsleistung als auch für die Hyperaktivität/Impulsivität (Cairncross & Miller, 2016) [CrossRef]
  • Angststörungen
    • 48 Patienten mit generalisierter Angststörung wiesen nach Absolvierung eines MBSR-Programms im Kontrollgruppenvergleich weniger Angst auf. Sie reagierten auch mit weniger Angst und Distress auf einen Stresstest und machten positivere Aussagen über sich selbst (Hoge et al 2013) [CrossRef]
    • Metaanalyse von 19 Studien mit achtsamkeits- und akzeptanzbasierten Interventionen zeigte im Prä-Post-Vergleich eine „robuste und substanzielle“ Verringerung der Angst und der depressiven Begleitsymptomatik (Vøllestad et al 2012) [CrossRef]
    • MBSR bei 16 Personen mit einer sozialen Phobie: Besserung von Angst, Depression und Selbstwert; verringerte negative Emotionen und geringere Reaktivität der Amygdalae während der Atembeobachtung (Goldin & Gross 2010) [CrossRef]
    • MBCT reduzierte bei 11 Patienten mit generalisierter Angststörung Angst und Depression (Evans et al 2008) [CrossRef] [PubMed]
    • Integration von Elementen von ACT und Achtsamkeit in ein Verhaltenstherapeutisches Gruppenprogramm: Pilotstudie mit 4 Patienten mit generalisierter Angststörung: Verbesserung der Symptomatik (Orsillo et al 2003) [CrossRef]
    • MBSR bei 22 Angstpatienten im 3-Jahres-follow-up: Die Mehrzahl der Patienten setzten ihre Meditations-Praxis fort. MBSR hat Langzeiteffekte (Miller, Fletcher & Kabat-Zinn 1995) [PubMed]
  • Ärger, Emotionsregulation
    • Es sind Mechanismen denkbar, dass Ärger durch achtsamkeitsbasierte Interventionen beeinflusst werden kann (Wright et al 2009) [CrossRef]
    • Wirkmodell der Emotionsregulation durch Achtsamkeit (Chambers et al 2009) [CrossRef] [download]
    • MBCT reduziert bei älteren Erwachsenen Angst und Depression. Wohlbefinden korreliert mit den Achtsamkeitsfaktoren „handeln mit Bewusstheit“ und „akzeptieren ohne zu beurteilen“ (Splevins et al 2009) [PubMed]
  • Borderline-Persönlichkeitsstörungen
    • Metastudie: Basierend auf 26 Studien fanden sich bei der Behandlung von Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen mit DBT im Kontrollgruppenvergleich moderate Effektstärken (Kliem et al., 2010) [CrossRef]
    • 5-Tages-DBT besserte in einer Studie mit 50 Borderline-Patientinnen in einem Drei-Monats-Follow-Up die Symptomatik. Prädiktoren für gutes Ansprechen waren Leeregefühl, Impulsivität und Beziehungsstörungen. Patientinnen mit Identitätsstörungen und Verlassenheitsängsten zeigten schlechtere Ergebnisse (Yen et al 2009) [PubMed]
    • Katamnese über 30 Monate bei Patienten mit BPS nach stationärer DBT (Fassbinder et al 2007) [CrossRef]
    • Achtsamkeit in der Körperpsychotherapie mit einer Frau mit einer Borderline-Störung (Kern 2007) [pdf-download]
    • Literatur zu DBT (Studien-Übersicht von Behav. Tech., 2012) [pdf-download]
  • Burnout und Stress
    • Ein Review beschreibt in 6 von 8 Studien eine statistisch signifikante Reduktion von Burnout bei Mitarbeitern im Gesundheitswesen und bei Lehrern durch verschiedene achtsamkeitsbasierte Verfahren (Luken & Sammons 2016) [CrossRef]
    • Eine Metaanalyse von 19 Studien fasst zusammen, dass achtsamkeitsbasierte Verfahren im Arbeitskontext Stress reduzieren, dass diese aber nicht unbedingt anderen Methoden überlegen sind (Virgili 2015) [CrossRef]
    • Harrer, ME (2013) Burnout und Achtsamkeit. Stuttgart: Klett-Cotta [amazon]
    • Metastudie über Achtsamkeit bei MitarbeiterInnen im Gesundheits-Bereich. Ergebnis: Achtsamkeit bringt in 11 Studien eindeutig Benefits für die MitarbeiterInnen (weniger Stress, mehr Präsenz und Mitgefühl). Widersprüchlich waren die Ergebnisse in 9 Studien bei der Frage, ob achtsame TherapeutInnen bei ihren PatientInnen bessere Ergebnisse erzielen (Escuriex & Labbé 2011) [pdf-download] [CrossRef]
    • MBSR reduziert den Stress-Level bei Gesunden. Die wenigen in dieser Metaanalyse gefundenen Daten über spezifische Wirkungen erfordern weitere Forschung (Chiesa & Serretti 2009) [PubMed]
    • Achtsamere College-Studenten gehen besser mit Stress um, berichten über weniger Vermeidungsstrategien und aktiveres Coping. Diese Faktoren mediieren die Beziehung zwischen Achtsamkeit und Wohlbefinden (Weinstein et al 2009) [CrossRef]
    • Weitere Infos zu Burnout und Achtsamkeit [link]
  • Depressive Störungen
    • Eine Studie untersuchte insgesamt 424 Personen mit wiederkehrenden Depressionen, die per Zufall zwei Gruppen zugeordnet wurden: In einer sollte über zwei Jahre mit einer medikamentösen antidepressiven Erhaltungstherapie behandelt werden, in der anderen sollte die antidepressive Medikation abgesetzt oder verringert und stattdessen eine MBCT-Gruppe besucht werden. Innerhalb von 24 Monaten zeigten sich keine wesentlichen Unterschiede der beiden Therapien bezüglich Rückfällen, Symptomatik, Lebensqualität und Kosten. Eine Überlegenheit der Behandlung mit MBCT fand sich bei Personen mit Missbrauch und Gewalterfahrungen in der Kindheit. MBCT sei insbesondere bei dieser Personengruppe und bei jenen Menschen eine wertvolle Alternative zur Therapie mit Antidepressiva, die eine nicht-medikamentöse Behandlung bevorzugen. Darüber hinaus stellt sie eine wertvolle Ergänzung der medikamentösen Behandlung bei Hoch-Risiko-Patienten dar (Kuyken et al. 2015) [CrossRef]
    • Eine Metaanalyse von 18 Studien (davon 8 Studien mit MBCT) fand, dass sich auch eine aktuell bestehende depressive Symptomatik durch achtsamkeitsbasierte Verfahren reduzierte (Jain et al 2015) [CrossRef]
    • Eine Metaanalyse von sechs kontrollierten Studien mit 593 Patienten kommt zu dem Schluss, dass MBCT eine effektive Intervention zur Rückfallprophylaxe von Depressionen zumindest bei jenen Personen darstellt, die drei oder mehr depressive Episoden hinter sich haben (Piet & Hougaard 2011) [CrossRef]
    • ACT reduziert die depressive Symptomatik (Bohlmeijer et al 2010) [PubMed]
    • Vergleich MBCT+TAU (Treatment as usual) mit TAU allein in der Schweiz (Genf) bei 60 Patienten in Remission (zu Studienbeginn ohne Medikation) mit >/=3 depressiven Episoden. Im Follow-Up über 15 Monate war die Zeit bis zum Rückfall signifikant länger bei MBCT+TAU als mit TAU allein (median 204 und 69 Tage) wobei die Rückfallrate ingesamt gleich war (Bondolfi et al 2009) [PubMed]
    • Höhere Achtsamkeit – geringere Rückfallrate bei Major Depression. 25 depressive Patienten durchliefen ein MBCT Programm, vor Beginn und nach Abschluss des Programms wurde mittels MAAS Achtsamkeit gemessen. Sie stieg an, der Score ermöglichte, einen Rückfall innerhalb von 12 Monaten vorauszusagen (Michalak et al 2009) [PubMed]
    • MBCT reduziert bei Personen mit bipolaren Störungen in Remission Angst und die depressive Symptomatik (Williams et al 2008) [CrossRef]
    • Mindfulness-Based Cognitive Therapy for Treatment-Resistant Depression: A Pilot Study (Eisendrath et al 2008) [CrossRef] [abstract] [Präsentation-pdf]
    • Achtsame Berührungstherapie bei Menschen mit Depressionen (Stötter 2008) [pdf-download]
    • MBCT bringt bei 18 PatientInnen nach einer depressiven Episode eine Besserung der Restsypmtomatik mit weiterer Verbesserung im Ein-Monats-Follow-Up (Kingston et al 2007) [CrossRef]
    • MBCT bringt Besserung bei Patienten mit therapieresistenter Depression (Kenny & Williams 2007) [CrossRef] [pdf-download]
    • MBCT bei 13 Patienten mit Depression und Angst in der Primärversorgung: wurde angenommen, Reduktion von Angst und Depression (Finucane & Mercer 2006) [CrossRef] [Artikel online]
    • MBCT zur Prävention von Depressionen bei symptomfreien Patienten: MBCT ist bei Patienten mit 3 und mehr vorangegangenen Episoden prophylaktisch wirksam (Ma & Teasdale 2004) [CrossRef] [pdf-download]
    • MBCT zur Rückfallprävention bei Depression (Teasdale et al 2000) [CrossRef] [pdf-download]
    • Forschung zu MBCT: Literaturliste
  • Ess-Störungen
    • Pulikationen zum Thema „mindful eating“ auf der Site von Peter Renner
    • Mindful Eating and Living (MEAL), ein Gruppenprogramm über 6 Wochen reduzierte bei 10 adipösen Männern das Gewicht, Binge-eating, Stress und negative Affekte (Dalen, Smith et al 2010) [PubMed]
    • 6 Frauen mit Bulimia nervosa profitierten von einem MBSR-Training (Proulx 2008) [CrossRef]
    • ACT bei Adipositas, Ein-Tages-Workshop hat im Kontrollgruppenvergleich nach drei Monaten signifikante Auswirkungen (Lillis 2008) [abstract]
    • Achtsame Körperwahrnehmung in der Behandlung von Essverhaltensstörungen am Berner Inselspital (Fiscalini & Rytz 2007) [pdf-download]
    • Mindfulness-based approaches to eating disorders (Kristeller et al 2006) [pdf-download]
    • Mindfulness-based eating awareness training (MB-EAT) als effektive Komponente in der Behandlung von Binge Eating (Kristeller & Hallett 1999) [CrossRef]
  • Gynäkologie und Geburtshilfe
    • Bei 115 menopausalen Frauen mit fünf oder mehr heftigen Wallungen am Tag oder in der Nacht verringerte sich durch MBSR die Beeinträchtigung durch die Hitze. Die Lebensqualität und der Schlaf verbesserten sich signifikant (Carmody et al 2011) [CrossRef]
    • MBSR bei 31 Frauen: In den ersten drei Monaten nach der Geburt weniger Angst und weniger negative Affekte (Vieten & Astin 2008) [CrossRef]
  • HIV-Infektion
    • MBSR bei 48 HIV-infizierten Erwachsenen: Puffereffekt, d.h. im Gegensatz zur Kontrollgruppe keine Abnahme der CD4+ T-Lymphozyten (Creswell et al 2008) [CrossRef]
    • „Thought on a thread“: A mindfulness project offering support to communities in South Africa affected by HIV/AIDS [link]
  • Krebs
    • MBCR (Mindfulness-Based Cancer Recovery) verbessert bei Menschen mit Krebs und bei Survivors Depression, Angst, Schlaf und Fatigue, verringerte den Cortisolspiegel und den Blutdruck und wirkt sich auf die Länge der Telomere aus (Carlson 2016) [CrossRef]
    • In 22 Studien wurden 1403 Personen mit Krebs mit achtsamkeitsbasierten Verfahren behandelt. Eine Metaanalyse fand in diesen randomisierten und kontrollierten Studien „mit relativ hoher Qualität“ im Prä-Post-Vergleich eine signifikante Reduktion von Angst und Depression (Piet et al 2012) [CrossRef]
    • MBCT reduziert chronische Müdigkeit bei Krebs – „cancer-related-fatigue“ (Van der Lee & Garssen 2012) [CrossRef]
    • MBSR bei Frauen mit Brustkrebs nach Brustoperation, Bestrahlung und/oder Chemotherapie (pre/post-Design): Weniger Angst for einem Rezidiv, weniger Stress, Angst und Depression, mehr Lebensqualität (Lengacher, Johnson-Mallard et al 2010) [PubMed]
    • MBSR in 5 Gruppen von jeweils 10-15 Frauen mit Brustkrebs führte zur signifikanten Reduktion von Stresssymptomen, Depression und körperlicher Symptomatik. Es verbesserten sich Achtsamkeit, Coping und Kohärenzsinn (Matousek & Dobkin 2010) [pdf download]
    • MBSR verbessert die Anpassung an eine Krebserkrankung: Metaanalyse von 10 Studien (Ledesma & Kumano 2009) [PubMed]
    • MBSR bei Frauen mit Brustkrebs: Veränderungen in Achtsamkeit (MAAS), bessere Krankheitsbewältigung (CHIP), bessere Bewältigbarkeit des Lebens, mehr Sinnhaftigkeit (SOC) (Dobkin 2008) [CrossRef] [pdf-download]
    • Achtsamkeitsbasierte Psychoedukation hilft in drei Gruppensitzungen bei krebskranken Frauen mit sexuellen Problemen: 26 Frauen schätzten im Feedback Achtsamkeit als die effektivste Komponente des Programms ein (Brotto et al 2008) [CrossRef] [pdf-download]
    • Achtsamkeit bei Krebs: Übersichtsarbeit (Gander, Kohls &Walach 2008) [CrossRef]
    • 7 Wochen Wandern auf dem Jakobsweg führte bei 12 Frauen nach Brustkrebs zu mehr Achtsamkeit im Sinne einer Zunahme der Aufmerksamkeitsfokussierung auf die Gegenwart (Baumann et al 2008) [CrossRef]
    • MBSR reduzierte bei 60 ambulanten Krebspatienten im Vergleich zu Kreativtherapie mit 44 Patienten Stress, Depression und Wut, MBSR erhöhte die Spiritualität. Beide trugen zu posttraumatischem Wachstum bei (Garland et al 2007) [PubMed]
    • MBSR (6-wöchig) bei 51 Frauen multiethnischer Herkunft aus niedrigen Einkommensklassen mit abnormem PAP-Abstrich: Von nur 8 Frauen liegen vollständige Daten vor. Bei diesen war die Angst reduziert und ein Trend in Richtung „Selbst-Mitgefühl“ (Abercrombie et al 2007) [abstract]
    • In einer qualitativen Studie von TeilnehmerInnen eines modifizierten MBSR-Programms kristallisierten sich 5 Themen heraus: Öffnung, Selbstkontrolle, Teilen von Erfahrungen in der Gruppe, persönliches Wachstum und Spiritualität (Mackenzie et al 2007) [CrossRef] [pdf-download]
    • Achtsamkeitsbasierte Ansätze als wertvolle und sinnvolle Ergänzung einer psychoonkologischen Behandlung (Stepien & Lerch 2006) [abstract]
    • Mindfulness-Based Art Therapy“ (MBAT) bei 111 Frauen mit verschiedenen Krebsarten, achtwöchige Therapie im Kontrollgruppendesign: Weniger Distress (SCL-90), höhere gesundheitsbezogene Lebensqualität (Monti et al 2005) [CrossRef] [pdf-download]
    • MBSR bei 59 Brustkrebspatientinnen und 10 Prostata-Krebs-Patienten: Verbesserte Lebensqualität und verringerter Cortisolspiegel (Carlson et al. 2004) [CrossRef]
    • MBSR bei 49 Frauen mit Brustkrebs und 10 Männern mit Prostatakrebs: Höhere Lebensqualität, weniger Stress, Veränderung der Cytokinproduktion (Carlson et al 2003) [CrossRef] [pdf-download]
    • MBSR bei Krebs: Wohl die erste kontrollierte Studie, 2000 erschienen in „Psychosomatic Medicine“: Reduktion von Stress, Verbesserung der Stimmung (Speca, Calson et al 2000) [PubMed] [pdf-download]
  • Psychosen, Schizophrenie
    • 13 Studien untersuchten insgesamt 468 Patienten mit Psychosen. Eine Metaanalyse zeigte im Prä-Post-Vergleich einen moderaten Effekt achtsamkeitsbasierter Interventionen. Die Effekte auf eine Negativ-Symptomatik waren größer als auf produktive Symptome. Achtsamkeit, Akzeptanz und Mitgefühl in Kombination waren Moderatoren der Effektstärke. Achtsamkeitsbasierte Verfahren stellen somit eine hilfreiche Ergänzung zur Pharmakotherapie dar (Khoury et al 2013) [CrossRef]
    • Achtsamkeitstraining zur Reduktion der Angst in einer qualitativen Studie mit 15 schizophrenen PatientInnen. Im Feedback wurden erwähnt: Entspannung, Symptomerleichterung, kognitive Veränderungen und Fokussierung des Gegenwärtigen. Es zeigten sich eine hohe Akzeptanz und keinerlei Verschlechterung der Symptomatik (LaRocco 2010) [CrossRef]
    • Achtsamkeitstraining verändert in einer Einzelfallstudie an zwei Patienten, die Stimmen hören, das Verhältnis zu den Stimmen (Newman Taylor, Harper & Chadwick 2009) [PubMed]
    • Einzelfallstudie mit drei Patienten: Die Anleitung, in Wut auslösenden Situationen die Aufmerksamkeit auf die Fußsohlen zu lenken, reduziert bei wiederholt stationär in der Psychiatrie aufgenommenen Patienten die verbale und körperliche Aggression (Singh et al 2007) [CrossRef]
    • Achtsamkeitsbasierte Gruppentherapie mit akut psychotischen Menschen (Chadwick 2005) [CrossRef]
    • ACT bei Psychosen (Bach & Hayes 2002) [CrossRef] [pdf-download]
    • mehr zu Achtsamkeit bei psychotischer Symptomatik
  • Schmerz
    • Eine Metastudie, die großteils andere Studien einschließt, kommt anhand der Analyse von elf Studien zu dem Ergebnis, dass die Effektivität achtsamkeitsbasierter Verfahren bis jetzt nur eingeschränkt nachgewiesen sei (Bawa et al 2015) [CrossRef]
    • In einer Pilotstudie mit 12 Patienten mit chronischen Schmerzen reduzierten sich nach einem neunwöchigen Programm zur Kultivierung von Mitgefühl die Schmerzstärke und die Wut. Die Teilnehmer konnten den Schmerz besser akzeptieren (Darnall 2015) [CrossRef]
    • Schütze et al (2014) Ein achtsamkeitsbasiertes Programm (MBFT Mindfulness Based Functional Therapy) hilft bei Rückenschmerzen [CrossRef]
    • Reiner et al (2013) beziehen auch Studien ohne Kontrollgruppe und solche mit Akzeptanz- und Commitmenttherapie mit ein, sie referieren 16 Studien. In zehn von den sechzehn Studien – acht kontrollierte und acht ohne Kontrollgruppe – fand sich bei achtsamkeitsbasierten Interventionen eine signifikante Abnahme von Schmerzen. Die Reduktion war in sechs von acht Studien größer als in der Kontrollgruppe und blieb auch im Follow-Up erhalten [CrossRef] [pdf-download]
    • Chiesa und Seretti (2011) geben eine Übersicht über 10 Studien mit Kontrollgruppendesign, die hauptsächlich die Wirkung von MBSR und MBSR-ähnlichen Programmen untersuchten.  [CrossRef] [pdf-download]
    • Tage Achtsamkeitstraining reduzierte Schmerz, Veränderungen in verschiedenen Gehrinregionen wurden nachgewiesen: Kontralateraler primärer somatosensorischer Cortex, vorderer cingulärer Cortex, vordere Insel, thalamische Deaktivierung (Zeidan et al 2011) [abstract]
    • Achtwochenprogramm bei 27 über 65jährigen mit chronischen Rückenschmerzen wurde qualitativ evaluiert. Verwendung unterschiedlicher Strategien: Ablenkung, bessere Körperwahrnehmung führt zu Verhaltensänderung, bessere Schmerzbewältigung, direkte Schmerzreduktion durch Meditation. Verbesserte Aufmerksamkeitsleistung, besserer Schlaf, bessere Stimmung (Morone et al 2008) [PubMed] [pdf-download]
    • MBSR bei Fibromyalgie mit drei-Jahres Follow-up: Verbesserungen der Lebensqualität, der Krankheitsbewältigung, positive Affekte, weniger Angst und Depression (Grossman et al 2007) [CrossRef]
    • ACT bei Schmerz (Dahl et al 2004) [CrossRef] [pdf-download]
    • Chronischer Schmerz verschiedener Lokalisation (Kabat-Zinn et al 1984) [CrossRef] (Kabat-Zinn 1982) [abstract]
    • Schmerz und spirituelles Wachstum (Shinzen Young)
    • mehr zu Achtsamkeit bei Schmerzen
  • Sexualstörungen
    • Überlegungen zur Verwendung achtsamkeits- und akzeptanzbasierter Prinzipien bei der Behandlung sexueller Störungen (Frank et al 2009) [abstract]
  • Sucht
    • Chiesa und Serretti (2014) referieren 24 Studien, in denen sich nach achtsamkeitsbasierten Interventionen der Konsum von Alkohol, Kokain, Amphetaminen, Marihuana, Zigaretten und Opiaten in einem signifikanten Ausmaß stärker reduzierte als in entsprechenden Kontrollgruppen. Es gibt Hinweise, dass die Interventionen das Craving – das Verlangen nach dem Suchtmittel – und damit die Rückfallgefahr verringern [CrossRef]
    • 286 substanzabhängige Personen wurden per Zufall drei Gruppen zugeordnet: Eine absolvierte das achtwöchige MBRP-Programm (Mindfulness-Based Relapse Prevention), eine andere ein verhaltenstherapeutisches Rückfallprophylaxe-Programm und eine erhielt die sonst übliche Behandlung. Beide Gruppen waren nach sechs Monaten der üblichen Behandlung in Bezug auf Tage ohne Substanzkonsum überlegen. Die kognitive Verhaltenstherapie half mehr als MBRP den Zeitraum ohne Substanzgebrauch zu verlängern, allerdings hatten die Teilnehmer der MBRP-Gruppe nach zwölf Monaten signifikant weniger Tage mit Suchtmittelkonsum und weniger schwere Rückfälle als jene der beiden anderen Gruppen (Bowen et al 2014) [CrossRef]
    • Achtsamkeit bei Zigaretten-Craving (Rogojanski, Vettese & Antony 2010) [CrossRef]
    • Übersicht (Bachelorarbeit) „Achtsamkeitsbasierte Ansätzen in der Psychotherapie von Abhängigkeitsstörungen“ (Gmerek 2009) [pdf-download]
    • Kritische Übersichtsarbeit (Review über 25 Studien): „Overall, although preliminary evidence suggests mindfulness meditation-based interventions (MM) efficacy and safety, conclusive data for MM as a treatment of substance use disorders are lacking“ (Zgierska et al 2009) [PubMed]
    • MBSR adaptiert für „Therapeutic Community Treatment „(MBTC): Studie mit 459 substanzabhängigen Patienten im Kontrollgruppendesign (Marcus et al 2009) [CrossRef]
    • Evaluation von MBSR in der Behandlung von Abhängigen: Nützlichkeit, Übertragbarkeit und Nachhaltigkeit (Carrol et al 2008) [CrossRef] [article]
    • Achtsamkeit bei Sucht (Singer 2006) [article]
    • Achtsamkeit: Ein neuer Ansatz zur Psychotherapie süchtigen Verhaltens (Heidenreich, Schneider & Michalak 2006) [CrossRef]
    • Urge Surfing (aus Mindfulness Training von C Walsh, 2006) [pdf-download]
    • ACT bei Opiatabhängigen mit zusätzlichem Missbrauch anderer Substanzen in Ergänzung zur Methadonsubstitution: ACT führt zu einer objektiv gemessenen und zu einer subjektiv empfundenen Verringerung der Gesamt-Drogen-Dosis (Hayes et al 2004) [CrossRef]
    • ACT zur Raucherentwöhnung im Vergleich zu Nikotin-Ersatz-Therapie. Keine Unterschiede nach Therapieende, bessere Ergebnisse beim 1-Jahres Follow-up (Gifford et al 2004) [CrossRef]
    • mehr
  • TherapeutInnen (Therapieprozess, Outcome)
    • Metastudie über Achtsamkeit bei MitarbeiterInnen im Gesundheits-Bereich. Ergebnis: 11 Studien eindeutig Benefits für die MitarbeiterInnen (weniger Stress, mehr Präsenz und Mitgefühl).Widersprüchliche Ergebnisse von 9 Studien zu den Auswirkungen der Achtsamkeit der TherapeutInnen auf von PatientInnen wahrgenommene Empathie, Verständnis der PatientInnen für ihre Psychodynamik, ihre Schwierigkeiten und ihre Fortschritte bzw. Bewältigungsskills, Symptome; Wahrnehmung der therapeutischen Beziehung von TherapeutInnen- und PatientInnenseite (Escuriex & Labbé 2011) [CrossRef]
    • Siehe auch Die Achtsamkeit des Therapeuten und der Therapeutin
  • Tinnitus
    • In einer Pilotstudie nahmen acht Patienten mit chronischem Tinnitus an einem achtwöchigen MBTSR-Programm (Mindfulness Based Tinnitus Stress Reduction) teil. In der quantitativen und qualitativen Erhebung nach dem Programm erzählten die Teilnehmer davon, dass der Tinnitus nicht mehr so schrecklich sei, dass es möglich sei, ihn wahrzunehmen, ohne ihn zu bewerten und dass er jetzt einfach da sein dürfe. Depression und Angst nahmen ab und die Wahrnehmung des Körpers veränderte sich. Dieser bedürfe der Fürsorge und Liebe (Gans et al 2013) [CrossRef]
    • Achtsamkeit bei Tinnitus (Gans 2010) [pdf-download]
    • Praxis für integrative und achtsamkeitsbasierte HNO [Forschungsergebnisse]
    • mehr
  • Trauma
    • Bei einer systematischen Suche nach der Wirkung von achtsamkeitsbasierten Verfahren bei Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) fanden sich 12 Studien, die allerdings methodische Mängel aufwiesen. In der Mehrzahl der Studien zeigte sich eine Verringerung der PTBS-Symptomatik, im Besonderen des Vermeidungsverhaltens (Banks et al 2015) [CrossRef]
    • Je 58 Veteranen mit PTBS wurden per Zufall einer MBSR-Gruppe oder einer aktiven Kontrollgruppe zugewiesen. In der MBSR-Gruppe nahm die Schwere der Symptomatik im Kontrollgruppenvergleich klinisch deutlicher ab. Die depressive Symptomatik verringerte sich, die Lebensqualität nahm zu und die Besserung blieb über die beiden folgenden Monate des Beobachtungszeitraums erhalten. Allerdings entsprachen die Symptome auch noch im 2-Monats-Follow-Up in beiden Gruppen den diagnostischen Kriterien einer PTBS. Der Effekt war insgesamt als moderat einzustufen (Polusny et al 2015) [CrossRef]
    • Achtsamkeit in der Behandlung von persönlichkeitsgestörten und traumatisierten PatientInnen. Vortrag von Luise Reddemann bei den 60. Psychotherapiewochen 2010 [pdf-download]
    • MBSR bei 27 erwachsenen Opfern von sexuellem Kindesmissbrauch: Im Follow-Up nach 24 Wochen Reduktion der Symptome von PTSD, insbesondere von Vermeidung (Kimbrough et al 2010) [CrossRef]
    • MiBCT bei einer 21-jährigen Frau, Einzelfallstudie (Cayoun 2008) [pdf-download]
    • Inverse Korrelation zwischen Achtsamkeit und Depersonalisation, Korrelation zwischen emotionalem Mißbrauch und Depersonalisation (positiv) und Achtsamkeit (negativ) (Michal et al 2007) [CrossRef – über Lippincott]
    • Anwendung von Achtsamkeit in der tiefenpsychologisch fundierten Traumatherapie (Reddemann 2006) [CrossRef]
    • ACT bei posttraumatischen Störungen (Orsillo, Batten 2005) [CrossRef]
  • Zwangserkrankungen
    • In einer qualitativen Studie wurden zwölf Patienten mit einer Zwangserkrankung unmittelbar nach der Absolvierung eines achtwöchigen MBCT-Programms in einem halbstrukturierten Interview befragt. Zwei Drittel berichteten von einer Verringerung der Zwangssymptomatik. Sie waren eher dazu bereit, auch unangenehme Gefühle zuzulassen, konnten bewusster und aktiver in der Gegenwart leben und die Stimmung und der Schlaf hatten sich verbessert (Hertenstein et al 2012) [CrossRef]
    • Mindfulness-Based Behavior Therapy bei OCD (Gorbis et al) [pdf-download]
    • Falldarstellung einer Frau mit therapierefraktärer OCD: Förderung von Akzeptanz und Achtsamkeit. Gutes Therapieergebnis auch im Follow-up nach drei Jahren (Singh et al 2004) [CrossRef]
    • ACT und „Habit Reversal“ bei Trichotillomanie: Verbesserungen bei 4 von 6 Teilnehmern (Twohig & Woods 2004) [CrossRef]
  • Unterschiedliche Erkrankungen
    • MBSR bei 78 Multiple Sklerose Kranken verbesserte Lebensqualität, Depression und Fatigue (vorläufige Studiengergebnisse von Grossman et al 2009) [pdf-download]
    • 12 Parkinsonkranke konnten von einem 8-Wochen MBCT-Programm profitieren (Fitzpatrick et al 2009) [PubMed]
    • ACT ist in einer Metaanalyse von 18 Studien (n= 917) im Kontrollgruppendesign bei verschiedenen Problemen wirksam, aber ACT ist nicht wirksamer als etablierte Therapien (Powers et al 2009) [PubMed]
    • Metaanalyse zu achtsamkeitsbasierten Methoden bei Schlafstörungen: 38 Artikel wurden ausgewertet, 7 davon wurden in die Studie aufgenommen, in 4 fanden sich positive Wirkungen auf Dauer und Qualität des Schlafs (Winbush, Gross & Kreitzer 2007) [PubMed]
    • MBSR bei 20 Organtransplantierten: Verbesserung von Schlaf, weniger Angst und Depression (Kreitzer et al 2005) [PubMed]
    • Metaanalyse zu MBSR (Grossman 2004, Buchbeitrag) [pdf-download] [CrossRef]
  • in Gefängnissen
    • Review über Studien zu „Meditation“ in Gefängnissen, d. h. über Zehntage-Vipassana-Retreats, Transzendentale Meditation und MBSR: Die Erfolge bestanden in einem höheren psychischen Wohlbefinden, in einer Reduktion von Substanzgebrauch und in weniger Rückfällen (Himelstein 2011) [CrossRef]
    • MBSR bei 1350 Gefängnisinsassen: weniger Feindseligkeit, mehr Selbstwert, weniger Stimmungsschwankungen (Samuelson et al 2007) [CrossRef]
    • Vipassana-Meditation im Gefängnis: Nach der Entlassung im Kontrollgruppenvergleich weniger Substanzmissbrauch, weniger psychiatrische Probleme, bessere psychosoziale Werte (Bowen et al 2006) [CrossRef]
  • in der Paartherapie
    • Überlegenheit von Integrativer (IBCT) gegenüber Traditioneller (TBCT) Verhaltens-Paartherapie (Christensen et al 2006) [abstract]
    • 22 Paare, die am MBRE-Programm (Mindfulness-Based Relationship Enhancement) teilnahmen, waren danach in ihrer Beziehung signifikant zufriedener, fühlten sich zugleich autonomer und verbundener, es fiel ihnen leichter, den Partner zu akzeptieren und sie hatten weniger Beziehungsstress als die Paare in der Wartelisten-Kontrollgruppe. Die Veränderungen hielten über den dreimonatigen Beobachtungszeitraum an (Carson et al. 2004) [CrossRef]

Bei Personal im Gesundheitswesen, bei Psychotherapeuten und Beratern

  • Ein 8-Wochen Intensiv-Training in Achtsamkeit, Kommunikation und Selbstwahrnehmung mit 70 Allgemeinärzten verbesserte deren Achtsamkeit. Dies war verbunden mit weniger Burnout, mehr Empathie und höherer emotionaler Stabilität (Krasner et al 2009) [PubMed]
  • Bei Pflegepersonen in leitender Position (n gesamt = 33, Kontrollgruppendesign) reduziert ein 4-wöchiges achtsamkeitsbasiertes Programm Stress-Symptome (Pipe et al 2009) [PubMed]
  • MBSR bei koreanischen KrankenpflegeschülerInnen reduziert Angst und Stress: Kontrollgruppendesign n=21/22 (Kang et al. 2009) [CrossRef]
  • Auswirkungen der Achtsamkeit der Psychotherapeuten auf die Psychotherapie (Grepmair et al 2007) [CrossRef] [pdf-download]
  • The Advantages of a mindful Therapist (May & Donovan 2007) [pdf-download]
  • „Mindfulness-based Mentoring“ bei Teams in einer stationären Psychiatrie: Verbesserte Teamleistungen, mehr Teilnahme der Patienten bei den therapeutischen Angeboten, mehr Team- und Patientenzufriedenheit (Singh et al 2006) [CrossRef]
  • MBSR-Kurzform über 4 Wochen bei 16 Krankenschwestern und Schwesternhelfern: weniger Burn-out-Symptome, mehr Entspannung, mehr Lebenszufriedenheit (Mackenzie et al 2006) [CrossRef] [pdf-download]
  • Mindfulness-based Congitive Attitude Training mit 52 Personen unterschiedlicher Professionen in der Gesundheitsversorgung mit 3-Monats-follow-up: Mehr Achtsamkeit (MAAS), bessere Lebensqualität, weniger wahrgenommenen Stress (Schenström 2006) [CrossRef]
  • „Nicht-ängstliche Präsenz“ als bedeutsame kommunikative Fähigkeit bei Tierärzten. Komponenten: „Self-awareness“, Flexibiliät, Nicht-bewerten (Mitgefühl), präsent sein (Strand 2006) [CrossRef]
  • ACT bei Beratern von Substanzabhängigen: Positive Auswirkungen auf stigmatisierende Haltungen und Burn-Out (Hayes et al 2004) [CrossRef]
  • Meditation and the Therapist (Fulton 2003) [pdf-download]
  • Zen-Training von Psychotherapeuten (Twemlow 2001) [pdf-download]
  • „Arizona-Programm“ für Medizinstudenten: (1) reduziert state und trait Angst, (2) reduziert Gesamt-Stress einschließlich Depression, (3) erhöht Empathiefähigkeit (4) erhöht die Fähigkeit zu spirituellen Erfahrungen (Shapiro et al 1998) [CrossRef]
  • Weitere Informationen zur „Achtsamkeit des Psychotherapeuten“

In der Ausbildung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten

  • Inhaltsanalyse von Tagebüchern angehender PsychotherapeutInnen; Achtsamkeitspraxis erhöht die Fähigkeit, präsent zu sein, Tun-Modus und Sein-Modus auszubalancieren und führt zu mehr Akzeptanz und Mitgefühl für sich selbst und Klienten (McCollum & Gehart 2010) [PubMed]

Strukturelle und funktionelle Veränderungen durch Achtsamkeit/Meditation

  • Britta Hölzel und ihre Gruppe (2011) beleuchten die Vielzahl von neurowissenschaftlichen Befunden, die rund um Achtsamkeit erhoben wurden, aus der Perspektive ihrer Wirkmechanismen. Da ist zunächst die Aufmerksamkeitslenkung, die mit dem vorderen cingulären Cortex in Verbindung gebracht wird. Veränderungen der Körperwahrnehmung werden in der Inselregion und dem temporoparietalen Übergang verortet. Die durch Achtsamkeit leichter mögliche emotionale Neubewertung von Reizen ist von der Funktion dorsaler Regionen des präfrontalen Cortex abhängig. Andere Komponenten der Emotionsregulation durch Achtsamkeit wie die Nicht-Reaktivität oder die Löschung konditionierter Reaktionen bzw. von Gedächtnisinhalten werden mit Funktionen des ventromedialen präfrontalen Cortex, des Hippocampus und der Amygdalae verknüpft. Der in der Achtsamkeit zentrale Perspektivenwechsel im Sinne des Einnehmens einer Beobachterposition wird mit dem medialen präfrontalen Cortex, dem cingulären Cortex, der Insel und dem temporoparietalen Übergang in Zusammenhang gebracht. In einer großen Zahl von Studien zeigen sich bei einer Schulung der Achtsamkeit Veränderungen in all diesen Gehirnregionen [CrossRef]
  • Eine differenzierte Zusammenschau der Ergebnisse vieler Studien findet sich bei Fadel Zeidan (2014). Sie lässt die Bandbreite des Potentials erahnen, das sich durch unterschiedliche Intensitäten einer Achtsamkeitspraxis erschließen lassen.
    • In Zuständen von Achtsamkeit ohne besondere Schulung etwa beim Benennen von Emotionen oder bei erhöhtem Körpergewahrsein mit verringertem Gedankenwandern finden sich Aktivierungen im präfrontalen Cortex (PFC), eine Hemmung der Amygdalae und eine verringerte Aktivität des Default-Mode-Netzwerks (DMN).
    • Nach einem kurzen Achtsamkeitstraining (< 1 Woche) finden sich ebenfalls erhöhte Aktivitäten in Regionen, die beim Körpergewahrsein eine Rolle spielen: in der rechten vorderen Inselregion und in sekundären somatosensorischen Rindenarealen (S2). Die Aktivität des DMN ist reduziert (weniger Gedankenwandern), der orbitofrontale Cortex aktiver (Belohnungszentren) ebenso der rostrale anteriore cinguläre Cortex, rACC (gemeinsam mit dem PFC verbesserte kognitive Kontrolle und Emotionsregulation) und die Amygdalae sind weniger aktiviert (Emotionsregulation).
    • Nach einem achtwöchigen MBSR-Kurs finden sich erhöhte Aktivierungen im PFC (kognitive Kontrolle), in der rechten vorderen Insel und in S2. An strukturellen Veränderungen finden sich eine verringerte Dichte der grauen Substanz in den Amygdala, eine erhöhte Dichte im Hippocampus (Gedächtnis), am temporoparietalen Übergang (TPJ) und dem hinteren cingulären Cortex (PCC) (selbstreferentielle Funktionen).
    • Bei Langzeitmeditierenden (>1000 Stunden) finden sich während der Meditation Aktivierungen im rACC, in der rechten vorderen Insel, im Putamen und im PFC; das DMN ist deaktiviert. Überdauernde Veränderungen fanden sich in S2, im Thalamus und in der hinteren Inselregion, weniger Aktivierung im PFC und im DMN.
      • nach: Zeidan, F. (2015) The Neurobiology of Mindfulness Meditation. In Brown, K.W., Creswell, J.D. & Ryan, R.M. (eds). Handbook of Mindfulness: Theory, Research, and Practice. New York: Guilford Press 2015; S. 171-189 [pdf-download]
  • Interview mit Ulrich Ott über Meditationsforschung (2010) [Video]
  • Langzeit-Meditierende unterscheiden sich von altersmäßig vergleichbaren Kontrollpersonen in MRI-Untersuchungen durch eine höhere Dichte der grauen Substanz in caudalen Hirnstamm-Regionen. Diese Regionen haben mit cardiorespiratorischer Regulation zu tun (Vestergaard-Pulsen et al 2009) [CrossRef]
  • 22 Langzeit-Meditierende zeigen im Kontrollgruppenvergleich (nach Alter und Geschlecht ausgesucht) in einer voxel-basierten Morphometrie ein erhöhtes Volumen der grauen Substanz im rechten orbito-frontalen Cortex, (im rechten Thalamus, im linken gyrus temporalis inferior) und im rechten Hipppocampus (Luders et al 2009) [CrossRef]
  • Cognitive Neuroscience of Mindfulness Meditation: Vortrag von Phillipe Goldin bei Google 2008 [Video]
  • 20 Vipassana-Erfahrene im Kontrollgruppenvergleich: Höhere Konzentration der grauen Substanz in der rechten vorderen Insula, im unteren Gyrus temporalis und dem rechten Hippocampus, gemessen mittels MRI und voxel-basierter Morphometrie (Hölzel et al 2008) [PubMed]
  • Übersichtsarbeit (Dissertation) Achtsamkeitsmeditation: Aktivierungsmuster und morphologische Veränderungen im Gehirn von Meditierenden (Hölzel 2007) [pdf-download]
  • Pilotstudie an 6 Borderline-Patientinnen mit 5 sequentiellen fMRI-Scans im Laufe einer 12-wöchigen stationären Behandlung mit DBT: Die hämodynamische Reaktion auf negative Stimuli nahm im rechten vorderen, im temporalen und hinteren Gyrus Cinguli ab, ebenso in der linken Insel. 4 Personen zeigten verringerte Reaktionen in der linken Amygdala und in beiden Hippocampi (Schnell & Herpertz 2007) [CrossRef]
  • Zunahme der grauen Substanz (Hölzel et al 2007) [CrossRef] [pdf-download]
  • Voxel-basierte Morphometrie an 13 Zen-Meditierern im Kontrollgruppenvergleich: Keine altersbedingte Abnahme der grauen Substanz am meisten ausgeprägt im Putamen, einer Struktur, die mit Aufmerksamkeitsleistungen in Zusammenhang gebracht wird (Pagnoni & Cekic 2007) [PubMed]
  • fMRI während des Benennens: Zunahme der Aktivität präfrontal, Abnahme in den Amygdala (Creswell et al 2007) [CrossRef]
  • Meditation and the Neuroscience of Consciousness (Lutz, Dunne & Davidson 2007) [pdf-download]
  • Zunahme der grauen Substanz (Lazar et al 2005) [pdf-download]
  • Höhere Gamma-Aktivität im EEG, Synchronisierung über größeren Hirnarealen (Lutz 2004) [CrossRef] [pdf download]
  • Asymmetrien in Frontalregionen des Gehirns im EEG und Aktivierung des Immunsystems (Davidson et al 2003) [CrossRef]
  • Übersichtsarbeit: Veränderungen der Neurotransmitter im Gehirn bei Meditation (Newberg & Iversen 2003) [Crossref] [pdf-download]
  • Hypothesen zu einem Achtsamkeits-Dissoziations-Kontinuum und zur Rolle verschiedener Abschnitte des Gyrus Cinguli. So ist in hypnotischer und peritraumatischer Dissoziation der rostrale Teil des rechten Gyrus Cinguli aktiviert. EMDR und Achtsamkeit verändern diese Muster (Corrigan 2002) [CrossRef]
  • Eine Übersicht zu „Gehirn und Achtsamkeit“ (work in progress)

Andere Anwendungsgebiete

Übersichtsarbeiten, Wirkmechanismen, Grundsätzliches

  • Die Effecte der MBCT werden vermittelt durch Erhöhung von Achtsamkeit und Selbst-Mitgefühl. MBCT verändert die Beziehung zwischen kognitiver Reaktivität und dem Therapieergebnis. Eine höhere Reaktivität korreliert bei der Gruppe mit antidepressiver Erhaltungsmedikation mit einem schlechteren Therapieergebnis, nicht jedoch bei der MBCT-Gruppe (Kuyken et al 2010) [CrossRef]
  • Wirkfaktoren von Achtsamkeit: Wirkt Achtsamkeit durch Verringerung der affektiven Reaktivität? (Dissertation von Sebastian Sauer 2009) [pdf-download]
  • Achtsamkeit und Distress (Angst und Depression) stehen in einer inversen Beziehung, die durch die Faktoren Emotionsregulation, Nicht-Anhaften und Rumination vermittelt wird (Coffey & Hartman 2008) [CrossRef]
  • Mindfulness in Psychotherapy: An Introduction (Mace 2007) [Crossref] [pdf-download]
  • Achtsamkeitstraining als psychotherapeutische Interventionsmethode. Konzeptklärung, klinische Anwendung und aktuelle empirische Befundlage (Berking & Känel 2007) [Crossref]
  • Wirkmechanismen achtsamkeitsbasierter Psychotherapie (Bohus & Huppertz 2006) [CrossRef]
  • Mechanisms of Mindfulness (Shapiro et al 2005) [CrossRef] [pdf-download]
  • Meditation: Concepts, Effects and Uses in Therapy (Perez De Albeniz & Holmes 2000) [CrossRef] [Übersichtsarbeit]
  • Mindfulness: A Proposed Common Factor (Martin 1997) [CrossRef]
  • Forschung zum Thema Achtsamkeit, Dipl.-Psych. Sebastian Sauer [mindfulness-research.net]
  • Universität Freiburg, Poster zum Forschungsschwerpunkt Achtsamkeit [pdf-download]

Messung von Achtsamkeit

 

Forscherinnen, Forscher und Forschergruppen

  • Trish Bartley (Wales,UK) Schwerpunkte: Krebs, HIV (in Südafrika), Achtsamkeit und Entwicklung
  • Linda Carlson (Calgary) Schwerpunkt: Krebs
  • Uniklinik Freiburg: Forschungsschwerpunkt Meditation, Achtsamkeit und Neurophysiologie
  • Paul Grossman (Basel) Verschiedene Publikationen zu Achtsamkeit z.B. Messung [link Universitätsspital Basel]
  • Britta Hölzel (Massachusetts General Hospital) Schwerpunkt: Veränderungen im Gehirn bei Meditation
  • Sarah Lazar (Massachusetts General Hospital) Schwerpunkt: Veränderungen im Gehirn
  • Kristin Neff (University of Texas at Austin) Schwerpunkt: Self-Compassion
  • Ulrich Ott (Bender Institute of Neuroimaging an der Universität Gießen)
  • Dan Siegel (Mindsight Institute, Los Angeles) Schwerpunkt: Das achtsame Gehirn, interpersonelle Neurobiologie

Nebenwirkungen von Achtsamkeit bzw. intensiven Meditationsretreats

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