achtsam leben:

integrale Achtsamkeitspraxis

Achtsamkeitspraxis

achtsames Gehen

Für die formale Praxis des achtsamen Gehens suchen Sie einen Weg, der möglichst wenig Gelegenheiten zur Ablenkung bietet. Da Sie nirgendwohin gehen, genügt ein Weg mit mit der Möglichkeit, zehn Schritte in die eine Richtung und zehn Schritten wieder zurück zu gehen.

Grundsätzlich ist jedes Tempo möglich, es bewährt sich aber, die Bewegungsabläufe möglichst zu verlangsamen.

Beobachten Sie, welche Empfindungen in Ihrem Körper beim Gehen und Atmen auftauchen und was in Ihrem Geist vorgeht.

Nehmen Sie wahr, was genau beim Gehen mit Ihrem Körper geschieht: Wie die Fußsohle des vorderen Fußes in Kontakt mit dem Boden kommt, … spüren Sie, wie das Körpergewicht vom einen auf den anderen Fuß verlagert wird, … wie genau sich der hintere Fuß vom Boden löst, wie das ganze Körpergewicht dann verteilt ist, … wie sich der hintere Fuß nach vorne bewegt, wie er aufsetzt …

Sie können mit dem gesamten Spektrum der Empfindungen im Körper, die mit dem Gehen verbunden sind, in Kontakt sein, mit der Erfahrung der nahtlosen Integration all dieser Aspekte zur Kontinuität des Gehens, so langsam es auch sein mag.

Wenn Sie mit den Empfindungen des Gehens in bewusstem Kontakt sind, können Sie zugleich beobachten, wie Sie atmen. Sie können die beiden Rhythmen wahrnehmen und sie auf Ihre Weise miteinander verbinden.

Ziel der Übung ist es, mit der ganzen Aufmerksamkeit von Moment zu Moment beim gehen und atmen zu sein. Gedanken werden dann bei der Fülle der Wahrnehmungen kaum Platz finden. Und wenn sie doch auftauchen, lenken Sie die Aufmerksamkeit wieder auf die Körperempfindungen.

Wenn Sie anfangs Schwierigkeiten haben, sich mehr als ein paar Schritte nur auf Bewegung und Atem zu konzentrieren, ist das völlig in Ordnung. Mit zunehmender Übung werden Sie bemerken, dass Sie immer länger in der Lage sind, mit der Aufmerksamkeit dabei zu bleiben.

Neben dem achtsamen gehen als formale Übung ist es auch möglich, achtsames gehen in den Alltag einzubauen, gerade wenn Sie sich getrieben und gehetzt fühlen, den Schritt zu verlangsamen und die Bewegungsabläufe ganz bewusst wahrzunehmen.

Variationen

  • Sie können Ihre Aufmerksamkeit auf das Zusammenspiel von „Geist“ und Bewegung richten. Wie ganz selbstverständlich und automatisch ein Impuls entsteht, den Prozess des Gehens durch das Anheben eines Fußes einzuleiten. Werden Sie sich des Anhebens des Fußes gewahr, aber nicht, bevor Sie nicht den Impuls zum anheben beobachtet haben.
  • Sie können Ihre Aufmerksamkeit auch auf die Hände richten. Was machen Sie mit den Händen, während Sie gehen? Sie können die Arme einfach mitschwingen lassen, eine Position am Rücken finden oder sie vor dem Brustbein verschränken. Lassen Sie Ihre Hände eine Position finden, in der sie in Ruhe und Frieden sein können, Teil des gesamten Körpers und der Erfahrung des gehenden Körpers.
  • Sie können das Feld Ihres Gewahrseins auch ausweiten und neben Gehen und Atem auch den Kontakt mit der Erde wahrnehmen, zugleich auch von Augenblick zu Augenblick die Umwelt mit Ihren Sinnen wahrnehmen: Sehen, hören, riechen, die Luft auf Ihrer Haut spüren, die Temperatur …

Achtsames Gehen im Zen (Kinhin)

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