Anwendungsbereiche von Achtsamkeit

Das Wissen um die positiven Auswirkungen einer Achtsamkeitspraxis ist im Mainstream unserer modernen Gesellschaft angekommen. So findet die Achtsamkeit Anwendung in unterschiedlichsten Lebensbereichen.

MBSR

Das wohl bekannteste Programm zur Schulung der Achtsamkeit ist das Gruppenprogramm zur achtsamkeitsbasierten Stressreduktion, die Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR). Es wurde von Jon Kabat-Zinn in Massachusetts (USA) entwickelt und 1979 erstmals angeboten. Heute finden sich weltweit Angebote zu MBSR-Kursen.

Achtsamkeit in Medizin und Psychotherapie

Achtsamkeit wird in der Medizin und der Psychotherapie bei Menschen mit unterschiedlichen Problemen und Störungen und Zielgruppen eingesetzt: bei Angst, bei sog. Borderline-Persönlichkeiten, bei Burnout und zur Stressbewältigung, bei Depressionen, speziell auch Vorbeugung von Rückfällen, bei Ess-Störungen, bei onkologischen Erkrankungen, bei Psychosen, bei Schmerzen, bei Abhängigkeiten, bei Traumafolgen, bei Zwangserkrankungen, bei Tinnitus, bei HIV-Infektionen, bei Sexualstörungen und in der Paartherapie, bei ADHS, in der Geburtshilfe und Gynäkologie, bei unterschiedlichen neurologischen und anderen körperlichen Erkrankungen, bei Schlafstörungen und in der Palliativmedizin.

Es gibt inzwischen unterschiedlichste Störungen und Zielgruppen, bei denen die Wirkung achtsamkeitsbasierter Programme nachgewiesen werden konnte. Dabei wurden eine Vielzahl von störungs- und zielgruppen Programme entwickelt. Hier ein Überblick im Dschungel der Abkürzungen.

Achtsamkeit in der Psychotherapie

Achtsamkeit hat in vielen Bereichen der Psychotherapie ihren Platz: Zum einen finden sich in verschiedenen psychotherapeutischen Traditionen und Vorgehensweisen einzelne Elemente der Achtsamkeit wie in der Psychoanalyse, in der Personzentrierten Psychotherapie und der Gestalttherapie. Die Verhaltenstherapie hat in ihrer „dritten Welle“ die Achtsamkeit integriert. Dazu zählen die achtsamkeitsbasierte Therapie zur Rückfallprophylaxe von Depressionen, die Mindfulness-Based Cognitive Therapy – MBCT, die Dialektisch Behaviorale Psychotherapie DBT, die Akzeptanz- und Commitment Therapie – ACT und die insbesondere in Australien vertretene Mindfulness-Integrated Cognitive Behaviour Therapy – MiCBT.

In der Einzelpsychotherapie integriert insbesondere die Hakomi-Methode als eine Form der Körpertherapie die Achtsamkeit auf elaborierte Weise. Erwähnenswert sind auch paartherapeutische und traumatherapeutische und traumasensible Ansätze, die Achtsamkeit integrieren und Kombinationen von Achtsamkeit mit Biofeedback bzw. die Kombination von Achtsamkeit mit Hypnose

Achtsamkeit der TherapeuteInnen

Zum anderen wird schulenübergreifend eine spezifische Gestaltung der therapeutischen Beziehung als heilsam anerkannt. Bei Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten schult eine Praxis von Achtsamkeit viele in der therapeutischen Beziehung wesentliche Qualitäten. [mehr]

Ein wesentliches Anwendungsgebiet bezieht sich insgesamt auf die Zielgruppe der Menschen, die in helfenden Berufen tätig sind, etwa im Gesundheitsbereich Pflegepersonen, ärztliches Personal oder PsychotherapeutInnen oder SozialarbeiterInnen und BeraterInnen.

Weitere Anwendungsbereiche

Achtsamkeit kann aber nicht nur zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden, sie eignet sich auch zur Förderung von Gesundheit und Entwicklung – auf der individuellen Ebene, in Beziehungen, im Umgang mit Kindern, in der Pädagogik, als Eltern beginnend bei der Geburt und mit Kindern und in der Schule und in der Altenpflege aber auch in Gefängnissen.

Sie hat Eingang gefunden in die Berufswelt und in die Wirtschaft, in die Führungsetagen kleiner und großer Organisationen im Coaching und in die Politik. Sie fördert Nachhaltigkeit und Kreativität.

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